30 Jahre "Bergmännischer Musikverein" Ehrenfriedersdorf e.V.

Der Bergmännische Musikverein wurde 1982 als Kinder- und Jugendblasorchester gegründet.Er ist Bewahrer und Hüter einer langen Berg- und Blasmusiktradition in unserer alten Bergstadt Ehrenfriedersdorf.
Aus Anlaß unseres Kapellenjubiläums möchten wir einen Einblick in die Musikgeschichte und deren Tradition in Ehrenfriedersdorf geben. Die Gründung der ersten Blaskapelle kann auf kein genaues Jahr festgelegt werden. Bekannt ist jedoch, dass im Zusammenhang mit dem Bergquartal der Berggrabe­brüderschaft die Stadtmusiker Siegert (1810-1865), Groschop (1866) und Uhlig (1868) für die Stadtkapelle genannt werden. Berichtet wird außerdem von der 1883 stattgefundenen Luther-Feier mit Festumzug zur Kirche, wobei das Stadtmusikchor unter der Leitung des Bergbruders Eduard Molch genannt wird.
Bereits aus dem Jahr 1879 ist uns "Der Lange - Schicht Marsch", komponiert vom königlichen Musikdirektor August Friedrich Trenkler überliefert. Der Heimatforscher Günter Schubert fand in den Ehrenfriedersdorfer Wochenblättern aus dem Jahr 1900 die Ankündigung eines Konzertes in Chemnitz, wobei Trenkler als "Kind unserer Stadt" bezeichnet wird. Es ist anzunehmen, dass dieser in recht jungen Jahren in Ehrenfriedersdorf gelebt hat. Ihm wurden große Ehrungen und Auszeichnungen, wie beispielsweise der Titel zum königlichen Musikdirektor im Jahr 1873 oder die Leitung der Gewerbehauskapelle Dresden 1890, zu teil.
Trenkler komponierte 186 Märsche, mehrere Polkas und Walzer. 1904 komponierte er eine Hochzeitspolonaise zum Hofball anläßlich der Vermählung des Erzherzogs Otto und der Erzherzogin Maria Josefa von Österreich. In welchem Zusammenhang "Der Lange - Schicht Marsch" von ihm komponiert wurde, konnte nicht geklärt werden, jedoch durch seinen Wohnsitz in Ehrenfriedersdorf hatte er sicherlich eine gewisse Verbindung zur Tradition insbesondere zur Musik.
Aus den Jahren 1909 und 1913 liegen Originalquittungen vor, wobei die Ehrenfrieders­dorfer Kapelle als "Musikverein" benannt wird. Am 23.12.1927 wurde der von Richard Oehme komponierte "Ehrenfriedersdorfer Bergmannsmarsch" zum ersten Mal aufgeführt und im Ehrenfriedersdorfer Wochenblatt wird über die Turmmetten und die anschließenden Museumsmetten berichtet. Außerdem wird die musikalische Ausgestaltung der Ehrenfriedersdorfer Bergmettenschicht durch die städtische Musikkapelle lobend erwähnt.
Richard Oehme, bekannt als Komponist und Arrangeur vieler Musikstücke, war als Musiklehrer in Ehrenfriedersdorf und Umgebung tätig. Er wurde am 31.10.1877 in Rittersberg bei Marienberg geboren und verstarb am 28.09.1947 in Thum. Bereits vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1928 lag der vom Kapellenmitglied Oehme komponierte "Ehrenfriedersdorfer Bergmannsmarsch" in Form einer Schallplatte vor, hergestellt von der Deutschen Grammophon AG Berlin "Stimme des Herrn1', eingespielt vom Grammophonorchester, Dirigent Joseph Snaga.
Als Besonderheit weist der "Ehrenfriedersdorfer Bergmannsmarsch" einen Einleitungsteil, bestehend aus dem bekannten Ehrenfriedersdorfer Feldgeschrei, auf. Hierbei war es notwendig, das Feldgeschrei, welches zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges als Warn­signal vom Turm der St. Niklaskirche geblasen wurde, vom 6/8 Takt auf 4/4 Takt umzuarrangieren. Viele der älteren Ehrenfriedersdorfer Einwohner sprechen deshalb auch vom alten und neuen Feldgeschrei, welches am Anfang und Ende des weihnachtlichen Turmblasens erklingt.
Ein zweiter nicht so bekannter Bergmarsch ist der "Ehrenfriedersdorfer Bergparade Marsch", der uns in Abschrift überliefert ist. Leider gibt es zu diesem Marsch keine genauen Informationen, und auch aus den uns überlieferten Noten ist der Komponist bzw. das Entstehungsjahr nicht ersichtlich. Es wird jedoch angenommen, dass dieser Marsch um 1900 komponiert und zu bergmännischen Anlässen und Paraden gespielt wurde. 1928 wird abermals von der Stadtkapelle im Zusammenhang des Festkommers anläßlich der Weihe des Oswald-Barthel-Gedenkturms berichtet. Bei verschiedenen Anlässen wurden Bergmannstrachten für die Stadtkapelle ausgeborgt. Rechnungen vom 16.04. und 26.07.1931 belegen, dass die Kapelle als Stadtmusikchor bzw. Stadtkapelle geführt wurde.
Ab dem 04.12.1931 wurde dann unter dem Namen "Städtische Bergkapelle" Musik gemacht. Hierzu fand am 04.12.1931, 20.00 Uhr, im Ratskeller das Einweihungskonzert der neu uniformierten "Städtischen Bergkapelle" statt. Dieses Konzert beinhaltete folgende Programmpunkte:

  1. Teil: Streichmusik Marsch "Der Obersteiger"

Ouvertüre "Die diebische Elster" Air varie Nr. 1 E-Dur Violin -Solo "Das Elfengeflüster in der Christnacht" (Kapellenleiter Richard Rödl mit Bläserquartett) Bergmannslieder-Potpouri von Richard Oehme

  1. Teil: Blasmusik Ouvertüre "Nürnberger Puppen"

Konzertpolka "Die Zwillinge" (Solisten Kurt Schiefer, Paul Mende) Paraphrase "Aus der Jugendzeit"

"Der Nachtschwärmer Walzer" Bergmannsmärsche aus Schneeberg, Annaberg und Ehrenfriedersdorf

  1. Teil: Großer Ball

Am 07.12.1931 stellte die Stadtsteuereirinahmestelle der "Städtischen Bergkapelle" für das Einweihungskonzert eine Rechnung zur Begleichung der Vergnügungssteuer in Höhe von 21 RM und 25 Pf aus. In heutiger Zeit würden wir wahrscheinlich eine Rechnung von der GEMA erhalten. Wenn wir uns mit den Anfängen der Blasmusik in Ehrenfriedersdorf beschäftigt haben, stellt sich natürlich die Frage, ab wann es möglich war, die von uns heute bekannten Biechbiasinstrumente zu erwerben um damit musizieren zu können. Ventiltrompeten und Tenorhörner sind seit etwa 1830 verfügbar. Hinzu kamen1835 die Tuba und 1840 das Ventilflügelhorn.
Einige Jahre vorhergab es bereits Naturtrompeten, Naturhörner, Posaunen mit Naturton­reihen sowie Trompeten, Hörner und Basshörner mit Grifflöcher und Klappen welche bereits einen größeren Tonumfang aufweisen konnten. Obwohl schon um 1695 die ersten Klarinetten mit Klappen gebaut wurden, konnte sich dieses Instrument erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts durchsetzen. Nun aber wieder zurück zur Berg- und Stadtkapelle, die sich durch ein sehr attraktives Auftreten und Qualitätsmusik auszeichnete.
Der 2. Weltkrieg schränkte die Bergkapelle erheblich in ihrer Tätigkeit ein. Bereits Anfang 1946 konnte die Proben- und Auftrittsarbeit wieder beginnen. Auf ein historisches Ereignis soll besonders hingewiesen werden. Als einzige spielfähige Bergkapelle des Erzgebirges nahm die Berg- und Stadtkapelle Ehrenfriedersdorf am ersten Bergaufzug nach dem 2. Weltkrieg 1946 in Annaberg gemeinsam mit den Bergbrüderschaften Frohnau, Wiesa, Thum, Jöhstadt und Ehren­friedersdorf teil. Die Ehrenfriedersdorfer Kapelle übernahm nicht nur die Musik zur Berg­parade, sondern auch die musikalische Ausgestaltung des großen Berggottesdienstes in der St. Annenkirche

.
Die Berg- und Stadtkapelle in historischer Bergmannstracht bestand bis 1965. Danach wurde sie nach und nach von der Bergkapelle des VEB Zinnerz abgelöst. In einer Übergangsphase wurden neue Mitglieder geworben, sowie Kinder und Jugend­liche ausgebildet, galt es doch die Überalterung der ehemaligen Besetzung zu über­winden. Leider kam es ab 1955 immer wieder zum Kapellenleiterwechsel. Unterschied­liche musikalische Auffassungen als auch persönlich schwierige Verhältnisse waren dabei wenig förderlich.
Neben Richard Rödl, welcher seit der Gründung die Kapellenleitung inne hatte, waren besonders für die Ausbildung und Neuformierung die Musikfreunde Paul Mende, Karl Schiefer und Karl Fleischer angagiert und als Kapellenleiter tätig.
Von 1975 bis 1990 leitete Bergbruder Ludwig Otto die Bergkapelle. Die Auftritte der Ehrenfriedersdorfer Bergkapelle erfolgten in dieser Zeit im sogenannten Ehrenkleid.

Bedingt durch die Wende im Jahr 1989 gab es auch im Kulturbereich tiefgreifende Veränderungen. Leider machten diese Einschnitte auch vor der Bergkapelle nicht halt und somit war der Zerfali dieses Klangkörpers im Jahr 1990 nicht aufzuhalten. Dieser nun eingetretene Zustand war für Ehrenfriedersdorf unerträglich. Glücklicherweise wurde bereits 1982 eine Kinder- und Jugendkapelle, damals auch als Pionier- und FDJ Blasorchester bezeichnet, gegründei - der heutige "Bergmännische Musikverein Ehrenfriedersdorf e. V.". Die Initiative zur Gründung eines Nachwuchsorchesters kam vom damaligen Berufs­musiker Heinz Thieme, der selbst Mitglied der Bergkapelle war. Als Trägerbetrieb, wie zu DDR-Zeiten üblich, wurde der VEB Verpackungsmittel gewonnen.

Trotz aller Unterstützung war es mühsam, dieses Vorhaben zum Gelingen zu führen Die Beschaffung benötigter Instrumente sowie entsprechendes Notenmaterial war neben der musikalischen Ausbildung ein zusätzlicher Hemmpunkt. Nach und nach wurden jedoch kleine Erfolge hör- und sichtbar In diesem Zusammenhang muß die über viele Jahre enge Partnerschaft und gute Zusammenarbeit mit der Musikschule in Litomerice in der damaligen CSSR erwähnt werden. Dabei wurden auch gemeinsame Auftritte organisiert und durchgeführt. Wie in der Bergkapelle brachte die Wende auch im Kinder- und Jugendblasorchester tiefgreifende Veränderungen. Eine Neuorientierung der Kapelle war notwendig, um weiterhin als Klangkörper bestehen zu können.

Die plötzliche Auflösung der Bergkapelle des VEB Zinnerz war richtungsweisend für die Zukunft der Kinder- und Jugendkapelle.

Der Erhalt einer Bergkapelle mußte unbedingt im Fordergrund stehen! Dieses Vorhaben wurde durch die Unterstützung der Berggrabebrüderschaft und einiger Mitglieder der ehemaligen Bergkapelle in die Tat umgesetzt. Die Jugendkapelle wurde als Berg­männischer Musikverein weitergeführt.

Schwierigkeiten gab es besonders bei der Einstudierung entsprechender Bergmusik. Dabei war es notwendig Marschmusik-Proben durchzuführen. Eine große Herausforderung stellte die Neueinkleidung der Kapelle dar. Während der Übergangsphase nutzte man das Ehrenkleid der ehemaligen Bergkapelle aber auch die noch teilweise vorhandenen Bergmannstrachten aus der Gründerzeit. Die Neueinkleidung der Kapelle erfolgte in Anlehnung an die 1931 getragene Bergmanns­tracht und wurde finanziell durch den Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine aber auch durch Auftrittsgelder möglich gemacht. Die eigentliche Vereinsgründung, die nach den veränderten Verhältnissen notwendig wurde, fand am 14.März 1992 statt. Der neu gegründete Verein wurde zunächst beim Amtsgericht Zschopau, später Amtsgericht Annaberg und heute beim Amtsgericht Chem­nitz unter der Registriernummer CVR 4547 geführt.

Nach längerer Krankheit verstarb am 27.10.1994 unser Gründer und Kapellenleiter Heinz Thieme. Musikfreund und Ehrenmitglied Andreas Dienelt übernahm übergangsweise die musikalische Leitung der Kapelle.

Trotz personeller Besetzungsschwierigkeiten wurden zahlreiche Auftritte absolviert. Wir vertraten beispielsweise den Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine im Mai 1995 zum 11. Europäischen Bergmannstag im ungarischen Balatonfüred.

Durch den bereits erwähnten Musikfreund Andreas Dienelt wurde der Kontakt zu Klaus-Heiner Wendler, unter anderem langjähriger Musiker der Herolder Blasmusikanten sowie Leiter des Posaunenchores der Evang.-Iuth. Kirchgemeinde Herold, hergestellt, welcher ab Mitte 1995 bei uns mitwirkte und 1996 die Kapellenleitung übernahm.

Durch die Unterstützung der Stadt Ehrenfriedersdorf und des ortsansässigen Besucher­bergwerkes war für Kiaus-Heiner Wendier die Voraussetzung gegeben, junge Nach­wuchsmusiker im Bereich Blechblasinstrumente direkt im Verein auszubilden. Unterstützt wurde er dabei durch unser Vereinsmitglied Dieter Gronau, welcher als Aus­bilder für Holzblasinstrumente im Verein tätig war.

Zum Kirchenkonzert 2006 wurde Klaus-Heiner Wendler für seine über mehr als 10 jährige Kapellenieitertätigkeit zum Bergmusikmeister des Sächsischen Landesverbandes durch den damaligen Landesbergmusikdirektor Hermann Schröder ernannt Während dieses Konzertes wurde die musikalische Leitung der Kapelle von Klaus-Heiner Wendler an seinen Sohn Uwe Wendler übergeben, der diese Funktion bis heute ausübt.

Als Vorstände waren und sind für den Verein tätig:

1992-1996 I. Vorsitzender Thomas Hüfken 2. Vorsitzender Renate Thieme
1996- November 1999  1 . Vorsitzender Renate Thieme 2. Vorsitzender Heiko Müller
ab November 1999  I.  Vorsitzender Heiko Müller 2. Vorsitzender Gunnar Meier

                      

Weiterhin gehören dem Vorstand an:

Roland Scholz ( Schatzmeister) Uwe Wendler ( Kapellenleiter) Andreas Dienelt ( Schriftführer)

Zur Aufgabe des Bergmännischen Musikvereins gehört es, die Amateurblasmusik zu pflegen, den Nachwuchs auf diesem Gebiet zu fördern, bergmännisches Musikgut weiterzugeben und zu bewahren. Weiterhin gestaltet der Verein vielseitige traditionelle Veranstaltungen. Stellvertretend soll auf das alljährlich stattfindende Bergquartal mit Berggottesdienst, das Ehrenfriedersdorfer Bergfest, die Bergmettenschicht und auf zahlreiche Bergparaden verwiesen werden. Natürlich ist der Verein auch außerhalb der Ortsgrenzen tätig und präsent. Das Repertoire reicht von altehrwürdigen Bergmärschen über Polka, Walzer, Schlager­melodien bis hin zu konzertanten Musikdarbietungen.
Als wichtigste Aufgabe sieht der Verein die Pflege des bergmännischen Lied- und Musikgutes.

Der "Bergmännische Musikverein Ehrenfriedersdorf e.V." ist bemüht, sein Bestes zu geben, um diese Tradition der Ehrenfriedersdorfer Bergrnusik noch lange zu pflegen und zu erhalten. Wichtig ist dabei, immer wieder neue Musiker zu gewinnen, insbesondere Schüler, welche gewillt sind, ein entsprechendes Instrument zu erlernen. Wir als Musikverein und Träger der Tradition sind natürlich auch auf das Elternhaus unserer Kinder angewiesen.

Bitte, liebe Leser, weisen sie ihre Kinder und Enkel auf die Möglichkeit einer Instrumental­ausbildung hin.

Fragen zu anstehenden Problemen

-Ausbildung -Finanzierung

-Instrumentenerwerb oder Ausleihmöglichkeiten beantworten wir ihnen gern.

Fachkundige Auskunft erteilt der Kapellenleiter Herr Uwe Wendler jeden Freitag zur Kapellenprobe von 18.00 - 19.45 Uhr im ' Haus des Gastes?! in Ehrenfriedersdorf oder unter Telefon 037297/ 89039, ab 18.00 Uhr.

Der Bergmännische Musikverein würde sich auch über Musiker freuen, welche nach "längerer Musikpause" wieder Lust am Musizieren haben Diese sind zu den Proben im "Haus des Gastes" herzlich willkommen.

In der Hoffnung, Ihnen die Geschichte und die Wichtigkeit eines Fortbestehens des "Bergmänischen Musikvereins Ehrenfriedersdorf e.V." näher gebracht zu haben, verbleiben wir mit einem herzlichen GLÜCK AUF !

Der Vorstand